Engineering & KI Glossar
Ihr Nachschlagewerk für Fachbegriffe aus Systems Engineering, Functional Safety und KI
A
ASPICE (Automotive SPICE)
Automotive Software Process Improvement and Capability Determination - Ein Prozessmodell zur Bewertung und Verbesserung von Entwicklungsprozessen in der Automobilindustrie. Definiert Reifegrade von Level 0 (unvollständig) bis Level 5 (optimierend).
ASIL (Automotive Safety Integrity Level)
Risikoeinstufung nach ISO 26262 für sicherheitskritische Komponenten im Automobil. Die Stufen reichen von ASIL A (niedrigstes Risiko) bis ASIL D (höchstes Risiko). Die Einstufung basiert auf Schweregrad, Expositionswahrscheinlichkeit und Kontrollierbarkeit.
AUTOSAR
AUTomotive Open System ARchitecture - Standardisierte Softwarearchitektur für Automotive ECUs. Unterscheidet zwischen Classic AUTOSAR (für traditionelle ECUs) und Adaptive AUTOSAR (für High-Performance Computing).
C
Context Engineering
Methode zur intelligenten Verknüpfung von Unternehmensdaten mit KI-Systemen. Durch präzise Kontextualisierung werden KI-Antworten relevanter und vermeiden Halluzinationen. Kernbestandteil moderner RAG-Architekturen.
D
DAL (Development Assurance Level)
Sicherheitseinstufung in der Luftfahrt nach DO-178C/DO-254. Reicht von DAL E (keine Sicherheitsauswirkung) bis DAL A (katastrophale Auswirkung). Bestimmt die Strenge der Entwicklungs- und Verifikationsprozesse.
DO-178C
Software Considerations in Airborne Systems and Equipment Certification - Der de-facto Standard für die Entwicklung sicherheitskritischer Software in der Luftfahrt. Definiert Objectives für verschiedene DAL-Stufen.
F
FMEA (Failure Mode and Effects Analysis)
Systematische Methode zur Identifikation und Bewertung potentieller Fehlerarten und deren Auswirkungen. Unterscheidet zwischen Design-FMEA (D-FMEA) und Prozess-FMEA (P-FMEA). Kernwerkzeug für präventives Risikomanagement.
FTA (Fault Tree Analysis)
Fehlerbaumanalyse - Top-down Analysemethode zur systematischen Untersuchung von Fehlerursachen. Verwendet boolesche Logik um Kombinationen von Ereignissen zu identifizieren, die zu einem unerwünschten Top-Event führen.
Functional Safety
Teil der Gesamtsicherheit eines Systems, der von der korrekten Funktion sicherheitsbezogener Systeme abhängt. Ziel ist die Vermeidung unvertretbarer Risiken durch systematische Fehler und zufällige Hardwarefehler.
H
HARA (Hazard Analysis and Risk Assessment)
Gefährdungsanalyse und Risikobewertung nach ISO 26262. Systematische Identifikation von Gefährdungen und Bewertung der damit verbundenen Risiken. Basis für die Ableitung von Safety Goals und ASIL-Einstufung.
I
ISO 26262
Internationale Norm für Functional Safety elektrischer/elektronischer Systeme in Kraftfahrzeugen. Adaption der IEC 61508 für die Automobilindustrie. Deckt den gesamten Lebenszyklus von Konzept bis Außerbetriebnahme ab.
IEC 61508
Grundnorm für Functional Safety elektrischer, elektronischer und programmierbarer elektronischer Systeme. Basis-Standard, aus dem branchenspezifische Standards wie ISO 26262 (Automotive) oder EN 50128 (Railway) abgeleitet wurden.
L
LLM (Large Language Model)
Großes Sprachmodell basierend auf Transformer-Architektur. Trainiert auf massiven Textdatenmengen zur Generierung und Verständnis natürlicher Sprache. Basis moderner KI-Assistenten und Engineering-Agenten.
M
MBSE (Model-Based Systems Engineering)
Modellbasiertes Systems Engineering - Formalisierte Anwendung von Modellierung zur Unterstützung von System-Requirements, Design, Analyse, Verifikation und Validierung. Nutzt SysML/UML als primäre Modellierungssprachen.
MCP (Model Context Protocol)
Standardisiertes Protokoll zur Integration von KI-Modellen in bestehende Tool-Landschaften. Ermöglicht nahtlose Kommunikation zwischen LLMs und Engineering-Tools wie ALM/PLM-Systemen.
R
RAG (Retrieval-Augmented Generation)
Technik zur Verbesserung von LLM-Antworten durch Einbindung externer Wissensquellen. Kombiniert Informationsabruf mit Textgenerierung für präzise, kontextbezogene und aktuelle Antworten.
S
SIL (Safety Integrity Level)
Sicherheitsintegritätslevel nach IEC 61508. Definiert vier diskrete Stufen (SIL 1-4) für die Zuverlässigkeit sicherheitsgerichteter Funktionen. Je höher der SIL, desto geringer die Wahrscheinlichkeit gefährlicher Ausfälle.
SysML (Systems Modeling Language)
Grafische Modellierungssprache für Systems Engineering. Erweiterung von UML 2.0 speziell für die Modellierung komplexer Systeme. Version 2.0 führte textuelle Syntax und verbesserte Semantik ein.
T
TARA (Threat Analysis and Risk Assessment)
Bedrohungsanalyse und Risikobewertung für Cybersecurity nach ISO 21434. Systematische Identifikation von Cyber-Bedrohungen und Bewertung der damit verbundenen Risiken für vernetzte Fahrzeuge.
TCL (Tool Confidence Level)
Vertrauensstufe für Software-Tools nach ISO 26262. TCL1 (höchstes Vertrauen) bis TCL3 (niedrigstes Vertrauen). Bestimmt den erforderlichen Qualifikationsaufwand für Tools in der Sicherheitsentwicklung.
Traceability
Nachvollziehbarkeit der Beziehungen zwischen Entwicklungsartefakten. Bidirektionale Verlinkung von Requirements über Design und Implementierung bis zu Tests. Essentiell für Compliance-Nachweis und Impact-Analyse.
V
V-Modell
Vorgehensmodell in der Systementwicklung. Linke Seite beschreibt Spezifikation und Zerlegung (von Requirements bis Implementierung), rechte Seite Integration und Test. Jede Entwicklungsstufe hat korrespondierende Verifikationsstufe.
Begriff fehlt oder unklar?
Unser Team erklärt Ihnen gerne komplexe Begriffe im Detail und zeigt, wie VPATH AI diese Konzepte in der Praxis umsetzt.